Wofür
Die meisten Entscheidungen laufen über Analogie: „Andere machen das so, also machen wir das auch.” Das ist schnell — aber es zementiert oft genau die Annahmen, die gar nicht mehr stimmen. First-Principles-Denken geht den anderen Weg: Problem in seine Grundbestandteile zerlegen und die Lösung von unten neu aufbauen. Dieser Skill macht Claude zu deinem Sparringspartner dafür.
Wie er arbeitet — in fünf Phasen
- Problem schärfen — „Was genau versuchst du zu lösen?” Oft ist das schon die halbe Arbeit: Ist das das Problem oder nur ein Symptom? Für wen ist es eins?
- Annahmen aufdecken — „Was nimmst du als gegeben an?” Jede versteckte Annahme wird respektvoll, aber hartnäckig herausgefordert („Woher weißt du das?”).
- Grundwahrheiten trennen — Was ist Fakt, was echter Constraint, was nur Annahme? Das meiste landet bei „Annahme”.
- Von Null aufbauen — „Wenn du heute neu anfingst, nur mit den Grundwahrheiten — wie würdest du es lösen?” Hier wird radikal gedacht.
- Zurück in die Realität — die Ideal-Lösung mit den echten Constraints zusammenbringen: Was ist sofort umsetzbar, wo braucht es Kompromisse, was ist der erste Schritt?
Der Stil ist sokratisch
Der Coach liefert nicht die Antwort, er stellt die Fragen, die dich selbst darauf bringen. Und er weiß, wann First Principles nicht das richtige Werkzeug ist — bei trivialen Entscheidungen, unter Zeitdruck oder bei Bewährtem sagt er das offen, statt alles zu zerlegen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Nimm eine Frage, die vielen Verwaltungen gerade auf den Nägeln brennt: „Sollen wir eine eigene KI-Infrastruktur aufbauen oder einfach ein fertiges Tool kaufen?” So läuft sie durch die fünf Phasen:
- Problem schärfen. Nicht „Welches Tool?”, sondern: Was wollen wir eigentlich erreichen? Meist lautet die ehrliche Antwort „das Team von Routine entlasten” – und nicht „Software besitzen”. Damit verschiebt sich die ganze Frage.
- Annahmen aufdecken. „Eigenbau ist zu teuer/zu komplex”, „ein SaaS-Tool ist schneller startklar”, „unsere Daten dürfen die Firma nicht verlassen”. Jede dieser Aussagen wird geprüft: Stimmt sie – oder wird sie nur angenommen?
- Grundwahrheiten trennen. Fakt ist etwa: die DSGVO-Anforderung und das begrenzte IT-Budget. Der Rest – „Eigenbau dauert ewig” – ist oft nur Annahme.
- Von Null aufbauen. Wenn nur die Grundwahrheiten zählen: Vielleicht reicht anfangs ein DSGVO-konformes Standard-Tool für 80 % der Fälle, während die zwei, drei wirklich eigenen Abläufe später gezielt automatisiert werden.
- Zurück in die Realität. Was ist sofort umsetzbar, wo braucht es einen Kompromiss, was ist der erste Schritt? Ergebnis ist eine Entscheidung, die auf Fakten steht – nicht auf „das macht man halt so”.
Der Punkt ist nicht die konkrete Antwort, sondern der Weg dorthin: Am Ende weißt du genau, warum du dich so entscheidest.
Gut für
Strategische Weichenstellungen, festgefahrene Diskussionen, „warum machen wir das eigentlich so?”-Momente. Genau dieses Vorgehen ist Teil der Werkzeuge, die wir in der KI-Beratung für Hausverwaltungen einsetzen.