Vibe Coding: Wie dein Unternehmen mit KI eigene Software baut –
Chancen, Grenzen und die ehrliche Wahrheit
Mehrere tausend Euro an eine Agentur gezahlt – und am Ende das komplette Tool in wenigen Tagen selbst gebaut. Genau das ist Victor passiert, und es ist ein typisches Szenario, das gerade in vielen Unternehmen stattfindet. Vibe Coding verspricht, die Abhängigkeit von überteuerten Softwareanbietern zu reduzieren und maßgeschneiderte Lösungen in kürzester Zeit zu bauen. Aber ist der Hype wirklich gerechtfertigt? In diesem Beitrag zeigt Victor zwei konkrete Praxisbeispiele aus dem mitarbyte-Alltag und räumt mit drei Illusionen auf, die dich teuer zu stehen kommen können.
- Vibe Coding bedeutet: Du beschreibst einem KI-Agenten wie Claude Code, was programmiert werden soll – die KI schreibt den Code, du überprüfst das Ergebnis.
- Maßgeschneiderte Tools, die früher ein Vermögen gekostet hätten, lassen sich heute in Tagen oder Wochen nebenbei bauen und schaffen echten Wettbewerbsvorteil.
- Vibe Coding spart nicht automatisch Kosten – es verschiebt sie. Wartung, Bugfixes und Qualitätssicherung landen im eigenen Unternehmen.
- Ohne interne Kompetenzen wie einen Product Owner oder AI Officer bleibt Vibe Coding eine Spielerei mit Sicherheitsrisiken.
Was ist Vibe Coding und warum ist es relevant?
Im Kern beschreibt Vibe Coding einen einfachen dreistufigen Ablauf: Du beschreibst einem KI-Agenten wie Claude Code, Cursor oder Codex, was du möchtest. Die KI schreibt den Software-Code für dich. Und im dritten Schritt überprüfst du das Ergebnis. Der Begriff selbst ist noch ziemlich neu – er wurde erst 2024 wirklich geprägt – aber der Trend hat sich rasant durchgesetzt. Anthropic hat seine Cowork-Plattform in nur 10 Tagen gebaut, wobei rund 50 % des Codes von KI geschrieben wurde.
Für Unternehmen, die schon länger am Markt sind, ist das eine echte Verlockung. Viele hängen an Softwareanbietern fest, die 2005 vielleicht mal ein modernes ERP-System hatten, mittlerweile aber komplett hinterherhinken – und trotzdem überteuert Funktionalitäten bauen, die gar nicht richtig zum eigenen Unternehmen passen. Die Hoffnung hinter Vibe Coding lautet entsprechend: niedrigere Softwarekosten, weniger Abhängigkeit von Anbietern, höhere Produktivität.
Zwei konkrete Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1: Ein Angebots-Tool, gebaut vom Vertriebsmitarbeiter
Das erste Beispiel im Video ist eine kleine Web-Applikation, die von einem Vertriebsmitarbeiter bei mitarbyte gebaut wurde – also von jemandem, der mit Technologie eigentlich nichts am Hut hat. Das Tool erstellt für jeden Kunden eine eigene Webseite mit einem maßgeschneiderten Angebot, stellt es als PDF zum Download bereit und bietet Buttons zum Annehmen oder Ablehnen. Die gesamte Webseite inklusive PDF wird automatisch erstellt, gehostet und in den verschiedenen CRM-Systemen hinterlegt.
Der Clou: Das Ganze passiert über einen einzigen Befehl im Chatbot Claude Code – etwa „Erstelle mir auf Basis des Meetings mit Max Mustermann von heute morgen ein Angebot." Die nötigen Skills sind dort hinterlegt, und ein einzelner Prompt löst den kompletten Workflow aus. Nichts Komplexes, aber mit massivem Hebel: Kunden lieben es, Angebote auf diese Weise zu erhalten statt als klassisches PDF per E-Mail.
Beispiel 2: Ein Kundenportal und DevOps-Tool in zwei Wochen
Das zweite Beispiel ist deutlich komplexer. Einer der Product Owner bei mitarbyte hat ein kombiniertes Tool gebaut: ein Kundenportal, in dem der Kunde seine Projekte einsehen kann, und gleichzeitig ein DevOps-Tool, mit dem Automatisierungen für mehrere Kunden gleichzeitig freigeschaltet oder neue Versionen an Kunden gepusht werden können.
Im Portal findet der Kunde eine KI-Reifegradanalyse, die auf Basis seiner Transkripte und Ausarbeitungen erstellt wurde. Er sieht seine Meilensteine, kann Aufgaben einsehen, Anfragen stellen und sogar eigene Lösungen mit wenigen Klicks selbst einrichten – etwa eine n8n-Infrastruktur oder bereits gebaute KI-Agenten. Hinter diesem Tool stehen eigene Datenbanken und proprietäres Wissen, und es gliedert sich optimal in den mitarbyte-Prozess ein. Auch das: ein Hobbyprojekt, entstanden in ein bis zwei Wochen nebenbei – und trotzdem ein echter Wettbewerbsvorteil.
Die drei großen Unklarheiten rund um Vibe Coding
1. Ist es wirklich so einfach?
Software zu schreiben ist eine Sache – Software zu warten und Qualität sicherzustellen eine ganz andere. Und genau hier wird der Hype oft zur Falle. Studien zeigen, dass Entwickler, die mit KI-Assistenten arbeiten, tendenziell unsaubereren Code schreiben, ihn aber für sicher halten. Vergleichbar mit den ersten ChatGPT-Texten, bei denen schnell klar wurde, dass sie „irgendwie maschinell zusammengestellt" wirken.
Bei Software ist das Risiko allerdings ungleich größer: In KI-generiertem Code wurden in Untersuchungen bis zu 2,7-mal mehr Sicherheitslücken gefunden. Die Folge: Je einfacher das Bauen wird, desto wichtiger wird das Überprüfen durch kompetente Menschen – und genau dort fehlen in vielen Unternehmen die passenden Rollen.
2. Spart man wirklich Geld?
Ja und nein. Einerseits lassen sich SaaS-Lizenzen tatsächlich einsparen. Bei mitarbyte wurde beispielsweise ein Finanz-Tool für das Cashflow-Management durch eine eigene Lösung ersetzt, die schnell zusammenprogrammiert war – die Lizenzkosten sind weggefallen. Dazu kommen oft übersehene Opportunitätskosten: Wenn der bisherige Softwareanbieter Module nur langsam liefert oder 80 % der Funktionen gar nicht zum eigenen Prozess passen, kostet das Zeit, Einarbeitung und versteckte Workarounds.
Andererseits entstehen neue Kosten: Wartung, Bugfixes und interner Support. Sobald mehr als eine Person ein Tool nutzt, muss es weiterentwickelt werden – Feedback und Feature-Wünsche landen jetzt im eigenen Haus statt beim externen Anbieter. Vibe Coding spart also nicht automatisch Kosten, sondern verschiebt sie. Ob sich das lohnt, muss für jeden Anwendungsfall individuell bewertet werden.
3. Wird man wirklich produktiver?
Auch hier: ja und nein. Ein starker Hebel entsteht bei veralteten ERP-Systemen. Statt das komplette System neu zu bauen, lässt sich mit Vibe Coding ein vereinfachtes Nutzerinterface für eine bestimmte Abteilung erstellen – mit exakt den Funktionalitäten, die diese Abteilung wirklich braucht. Zwischen Interface und Datenbank lässt sich zusätzlich eine KI-Schicht einziehen, die den Arbeitsalltag weiter beschleunigt. Das ergibt dauerhafte Produktivitätsgewinne.
Die Kehrseite: Auch diese Tools müssen gewartet und supportet werden. Man muss ehrlich abwägen, ob die laufende Pflege mehr Zeit kostet, als durch das Tool eingespart wird. Der Mehrwert wird primär dann realisiert, wenn die internen Kompetenzen aufgebaut sind – genau deshalb sprechen wir bei KI häufig von einer Transformation und nicht nur von einem Technologiethema.
Fazit: Werde im Kleinen zum Technologieunternehmen
Wer von Trends wie Vibe Coding wirklich profitieren will, muss im kleinen Rahmen selbst zum Technologieunternehmen werden. Ohne die entsprechenden Kompetenzen im Haus bleibt das Ganze eine Spielerei oder birgt sogar echte Risiken. Natürlich lässt sich mit externen Dienstleistern zusammenarbeiten – aber ohne eigene Rollen wie einen Product Owner oder AI Officer kann man nicht einschätzen, ob das eigene Unternehmen oder eher der Dienstleister von solchen Entwicklungen profitiert.
Deshalb gehört bei mitarbyte in jede Kunden-Roadmap die Ausbildung eines AI Officers fest dazu – selbst dann, wenn der Großteil der Software am Ende durch uns programmiert wird. Schau dir das vollständige Video oben an, um die beiden Praxisbeispiele in Aktion zu sehen und die konkreten Abwägungen im Detail mitzunehmen.
Häufig gestellte Fragen
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